Blätterpäckchen für Fichtenharz

Veröffentlicht: Sonntag, 21. Januar 2018

Fortsetzung von Fichtengeschichten

Fichten sind für mich schon immer ganz besonders gewesen. Wir haben auf unserem Grundstück sieben Fichten, seltsamerweise wurden sie aber immer als 'Tannen' bezeichnet (kleine Unterscheidungshilfe: Fichten pieken und stechen, Tannen nicht. Kleiner Merkspruch: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.). Und in dem Schatten dieser Fichten bin ich aufgewachsen. Ich habe ihnen zugeschaut wie sie im Sturm hin und her tanzten und mir unten ihren Ästen eine Höhle gebaut.

Und nun lag da diese große Fichte vor mir, einfach umgestürzt. Immer noch majestätisch, immer noch total präsent.

Ich versuchte an ihren Stamm zu gelangen, das war aber durch den matschigen, fast schon sumpfigen Untergrund gar nicht so einfach. Ich wuselte mich also durch den Holunderhain und dann erreichte ich den Wurzelteller. Immer wieder unglaublich wie verhältnismäßig klein doch der Bereich der Wurzeln bei Nadelbäumen ist. Ich versuchte entlang des Stamms den Hang hoch zu klettern, was gar nicht so einfach war, denn alles war nass und rutschig. Auf halber Höhe fand ich, was ich heimlich suchte: eine Stelle mit Harz.

Natürlich hatte ich kein Messer dabei. Und natürlich hatte ich auch kein Tütchen oder Gläschen für das klebrige Harz dabei, denn ich hatte ja nicht damit gerechnet diesen Baum zu finden. Das Harz so in der Tasche verschwinden zu lassen kam leider nicht infrage, denn jeder, der mal Harz gesammelt hat, weiß warum. Auf ewig verklebte Jackentaschen.


Blätterpäckchen für Harz

Ich schaute mich um und auf dem Boden lagen große Ahornblätter. Ha! Ich suchte mir ein mittelgroßes aus und benutze es als Teller. Ich brach einige Brocken von dem Harz ab und legte sie mittig auf das Blatt. Über all auf dem Hang wuchs eine rankende Pflanze, vielleicht war es Klettenlabkraut, aber ich weiß es nicht. Die eingetrockneten Ranken waren genau das, was ich brauchte. Durch die winterfeuchte Luft war der Stängel elastisch und wunderbar als Fadenersatz zu benutzen.

Jetzt ging es ans Päckchen packen. Die einzelnen Blattlappen über das Harz zur Mitte hin, einer nach dem anderen, übereinander falten. So ähnlich, wie man auch ein Geschenk einpacken würde. Dabei sollte man darauf achten, dass man nicht zu locker packt und faltet und keine Seite oder Ecke offen lässt, sonst landen die Harzperlen und -brocken doch wieder in der Jackentasche.

Die elastische Ranke nun einfach wie ein Paketband nutzen. Also herumwickeln, festzurren und verknoten.

Fertig ist das Blätterpäckchen.


Ach wie glücklich ich war mit meinem Päckchen und dem Harz! Harz ist für mich immer ein Geschenk des Waldes. Beim Sammeln ist darauf zu achten, dass man nur das nimmt, was der Baum selbst nicht braucht, also trockene Tropfen, die den Stamm heruntergelaufen sind. Die Bäume produzieren das Harz, um sich selbst zu heilen und zu schützen. Wie eine Art Pflaster verkleben sie Verletzungen am Stamm und an den Zweigen und verhindern so, dass Bakterien oder Pilze oder Sonstiges eindringen kann. Nadelbaumharz ist antibakteriell und antifungal, also pilztötend.

Einen abgebrochenen Ast des Baumes habe ich noch mitgenommen und bin zufrieden nach Hause gefahren.

Das Harz habe ich teilweise verräuchert. Es gibt einen wunderbaren Geruch nach Wald und Schutz.

 


Edit: Es sind nun ein paar Tage ins Lang gegangen und wir haben den Wintersturm Friederike hinter uns. Überall, aber auch überall, liegen nun Fichten. Umgeweht von dem Sturm. Ein paar Meter neben meiner Fichte ist eine weitere abgeknickt und dort wo die Fuchs- oder Dachsbauten sind, ist eine Art Schneise entstanden.

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